
Hype rund um das Wohnen auf Zeit
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Die persönliche Empfehlung eines Freundes: Das Prinzip aller sozialen Netzwerke – die persönliche Nähe – adaptierten pfiffige Amerikaner ins klassische Bed-and-Breakfast-Geschäft rund um günstige Stadtübernachtungen. Das amerikanische Original findet deutsche Nachahmer. Und für Mieter und Vermieter gibt es eine neue Einnahmemöglichkeit.
Zwischen 22 [Frankfurt: 25 Euro; Berlin: 10 Euro] und 200 Euro [Frankfurt: 150 Euro; Berlin: 1400 Euro] kostet eine Nacht in einer Privatunterkunft in Köln [Frankfurt/Berlin]. Die 200-Euro-Bleibe ist ein Penthouse direkt am Hansaring. Dafür gibt es dann Platz für bis zu vier Personen, ein separates Bad – und Anschluss an eine WG-Gemeinschaft inklusive. [Frankfurt: Für 150 Euro gibt es ein komplettes 2-Raum-Apartment in der Frankfurter Frankenstraße, bis zu drei Personen können hier übernachten. // Berlin: Für 310 Euro kann der Gast da schon Luxus erwarten. Bis zu sieben Personen finden Platz in dem 150-Quadratmeter-Apartment, einem Penthouse direkt am Potsdamer Platz.]
Die Angebote reichen vom einfachen möblierten Zimmer bis hin zum dekadent-luxeriösen Haus. Mal nutzt der Gast ein eigenes Bad, mal teilt er sich dieses mit dem Gastgeber. Grundvoraussetzungen für ein Inserat in einem der neuen Privatunterkunftcommunities gibt es eigentlich keine. Der Anbieter profitiert davon aber in jedem Fall finanziell: Anbieter AirBnB nimmt für die Abwicklung drei Prozent, der Rest des Geldes wandert in die Hauskasse.
Trend beginnt gerade erst
Und der Trend, über das Internet Schlafplätze anzubieten, hat gerade erst begonnen. Zwar hat AirBnB, das amerikanische Original, nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren schon weltweit zwei Millionen Übernachtungen vermittelt, der deutsche Newcomer 9flats spricht von derzeit einer vierstelligen Zahl pro Monat. Aber der Markt entsteht gerade erst, die deutschen Angebote sind erst seit wenigen Wochen online. So behauptet Wimdu kürzlich, 90 Millionen Dollar Wagniskapital für sein Portal eingesammelt zu haben, wobei diese Zahl in der Webszene eher umstritten ist.
Für Vermieter, mehr aber noch für Mieter, ergeben sich hier also gute Möglichkeiten, ein Zimmer oder eine Wohnung wirkungsvoll unterzuvermieten. „Sofern ein Mieter gerne über eine der neuen Wohncommunities Gäste einladen möchte, sollte er den Vermieter um Erlaubnis bitten“, rät Ulrich Ropertz, Pressesprecher beim Deutschen Mieterbund, in diesem Zusammenhang. „Sofern es aber wirtschaftlich oder persönlich vernünftige Gründe gibt – zum Beispiel eine alte Dame gerne dadurch mehr Gesellschaft haben möchte oder eine große Wohnung zur Verfügung steht – kann der Vermieter das nicht ablehnen.“ Gerold Happ, Mietrechtsexperte bei der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund, bestätigt diese Einschätzung und ergänzt in Richtung Nachbarschaft: „Einen Anlass zur Mietminderung bietet Bed-and-Breakfast nicht, es sei denn, es kommt ständig zum Beispiel zu sehr viel Lärm im Haus.“
Vermarktung wird für Anbieter wichtig
Bleibt das Problem der Vermarktung, schließlich ist die nächste vergleichbare Unterkunft nur einen Klick entfernt: „Auf gute Bilder kommt es an“, rät Arne Bleckwenn, Gründer und Geschäftsführer des Portals Wimdu, den Inserenten. „Deshalb sollte man bei Tageslicht fotografieren und versuchen eine freundliche Atmosphäre einzufangen.“ Nathan Blecharcy, Mitbegründer von Airbnb und technischer Kopf, rät auch zur Teilnahme an der Community, der persönliche Kontakt zum Vermieter sei oftmals entscheidend für eine Buchung. Und 9flats empfiehlt auf seiner Website ebenfalls zu schnellen Reaktionszeiten bei einer Kontaktanfrage.
Das Neue ist eben das Prinzip der Community und das sollten die Vermieter leben: Wenn ein Bekannter eine Unterkunft empfiehlt, wirkt das vertrauenserweckend. Das Portal erhöht so „das Vertrauen beim Buchen einer Unterkunft“, beschreibt so Nathan Blecharcy. Umgekehrt: Wer seine Gäste abzockt, wird schnell wieder von der Bildfläche verschwinden – zumal AirBnB, Wimdu und 9flats für ihre Gäste eine Art Treuhänderservice anbieten, so dass der Geldfluss nach der ersten missratenen Nacht noch gestoppt werden kann. Stephan Uhrenbacher, Geschäftsführer und Gründer von 9flats, betont so auch: “Das Thema Sicherheit spielt für Gast und Gastgeber gleichermaßen eine große Rolle.“ Ropertz vom Mieterbund: „Der Mieter muss wissen: Er haftet für alles, was sein Gast anstellt. Wenn etwas zu Bruch geht, bezahlt er selbst und ist auch gegenüber dem Vermieter dafür verantwortlich.“
Auch hier arbeitet die Branche an Lösungen. Für 9flats sollen schon jetzt Scouts Wohnungen und Gastgeber bewerten, möglichst flächendeckend. War ein Scout vor Ort, ist das Inserat auch heute schon entsprechend gekennzeichnet.
Der Markt ist innovativ, da hoch umkämpft. Alle Anbieter bieten Vermietern umfassende Infos im Web, oftmals wird sogar der Fotograf für die guten Fotos kostenlos zur Verfügung gestellt. Anbieter von Privatunterkünften werden also derzeit heftig umworben, manchmal auch mit nicht ganz sauberen Methoden den Wettbewerbern ausgespannt. In jedem Fall gilt: Es erschließen sich hier neue Einnahmepotenziale.
Infokasten
Wohncommunities im Internet (Auswahl):
AirBnb, www.airbnb.de
9flats, www.9flats.de
Wimdu, www.wimdu.de
Sechs Tipps zum sicheren Inserieren im Internet
Ehrliche Aussagen: Wer nicht übertreibt, verprellt keine Kunden.
Fotos: Gute Fotos sagen mehr als 1000 Worte. Manche Communities bezahlen den professionellen Fotografen.
Kritik: Mit Kritik von Besuchern muss ehrlich umgegangen werden, nicht aggressiv.
Community: Anbieter sollten sich in der Community engagieren, das ist Marketing in eigener Sache.
Ausfall: Jedes Business kennt Ausfälle, auch beim Reisenden gibt es mal jemanden, der mehr zerstört als er bezahlt.
Sicherheit: Wo keine Gelegenheit, da kein Dieb. Wertvolle Gegenstände gehören nicht in die Wohncommunity.-Werbung-
Datum: 10.08.2011 12:30 Uhr
Autor: Jörg Stroisch
Fotos: © virtua73 - Fotolia.com (Teaser), © virtua73 - Fotolia.com (Textbild 1)

