
Über die Kolumne Geld$eligkeiten:
Kommentare und Satiren rund um die Themen Versicherung, Vorsorge und Immobilien. Der Journalist Jörg Stroisch begleitet mit spitzer Feder zeitlose und aktuelle Themen der Branche aus der Verbraucherperspektive. Verfolgen Sie diese Kolumne auch via twitter unter twitter.com/1journalist.
Der unsichere Hauskauf
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Ich bin Immobilienjournalist, aber auch gerade deswegen ein Skeptiker, was die Immobilie als sicherer Geldanlage betrifft. Meine Argumente gegen den Hauskauf werden sicherlich nicht jedem schmecken.
"Dann kaufen Sie eine Immobilie, das ist eine sichere Anlage". Bausparwerbespots zeichnen die heile Welt der Familienvilla, Bankplakate offerieren Niedrigzins und "Sicherheit": Die Immobilie ist schon seit der Wirtschaftskrise wieder in, und die Zinsen sind ja auch auf einem historisch niedrigem Niveau. Dann doch in die wertkonservative Immobilie investieren. Wertkonservativ - das ist allerdings eher ein Gerücht.
Hauskauf ist keine konservative Anlagestrategie
Im Gegenteil: Die Immobilie ist eine sehr risikoorientierte Geldanlage und nichts für den Familienvater mit rosaroter Glücklichwelt-Brille. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Selbst genutzte Immobilien sind keine Anlage, sondern ein Kredit: Bei Baukredit-vertragslaufzeiten um die 30 Jahre entstehen immens hohe Kosten. Der "Immobiliensparer" investiert in dieser Zeit mehr in die Begleichung der Zinskosten als in den Wert der Immobilie. Das ist Fakt: Jedes Sparbuch generiert also eine höhere Rendite und das auch noch fast völlig ohne Risiko.
- Kaufen statt Mieten-Milchmädchenrechnung: "Dann musst du im Rentenalter keine Miete mehr zahlen." Das ist eine Milchmädchenrechnung. Erstens wird dabei vergessen, dass es auch beim Eigentum "Nebenkosten" gibt. Und über deren Entwicklung - da beispielsweise bei speziellen Krankenkassenbeträgen auf Immobilieneigentum oftmals staatlich gesteuert - kann niemand ernsthaft eine Prognose abgeben. Zweitens suggeriert diese Annahme, dass eine Immobilie nach 30 Jahren immer noch tipptop in ihrem Zustand ist. Für das neue Dach oder die zeitgemäße Heizungsanlage wird aber schnell ein neues Hypothekendarlehen fällig.
- Immobilie steigt nicht im Wert: Eine Immobilie steigt nur dann - mäßig - in ihrem Wert, wenn sie in gutem Zustand gehalten wird. Das kostet aber viel Geld. Wer einmal investiert und danach nie wieder, darf sich über einen realen Wertverlust nicht wundern.
- Immobilie ist sehr immobil: Es steckt schon im Namen und ist leider in Deutschland mehr als nur eine Binsenweisheit. Denn hierzulande fällt die so genannte Vorfälligkeitsentschädigung im europäischen Vergleich extrem hoch aus, was den "vorzeitigen" Verkauf einer Immobilie vor Ablauf eines Finanzierungskredits erschwert. Zudem kommt hinzu: Was in jungen Jahren mit Familie noch passend war, ist vielleicht im Alter als Ehepaar weitaus zu groß. Zuschnitte ändern sich also.
- In guten Lagen ist die Immobilie nicht zwangsläufig eine gute Kapitalanlage: Denn zum einen gelten alle oben genannten Argumente ebenfalls. Und zum anderen bringen bestimmte bauliche Veränderungen - ein neuer Autobahnzubringer - oder auch nur die Umlegung der Flugzeugeinflugsschneise einen realen Lagewertverlust. Und: Städteplanung hält häufig nicht, was sie verspricht. Wer möchte schon gerne heute vorhersagen, was in 30 Jahren für eine Stadt gelten wird.
Beim Hauskauf lieber Taschenrechner anstellen
Erst kürzlich habe ich in der WirtschaftsWoche einen Artikel gelesen, wonach auf Zwangsversteigerungen wieder horrende Summen für Eigentumswohnungen in München gezahlt werden. Jetzt mal ganz ehrlich: Wenn das nicht das klassische Merkmal einer Blase ist. Die Finanzkrise nahm ja schließlich nicht umsonst ihren Ausgang in einer Immobilienkrise. Und längst nicht nur in den USA, sondern zum Beispiel auch in Großbritannien und Spanien floppten in der Folge die Immobilienpreise.
Ich gebe dennoch gerne zu, dass eine Immobilie auch auf mich einen gewissen Reiz ausübt. Was ich ja nur sagen will ist, dass sie eben nicht eine konservative Anlageform ist, mit deren Wertsteigerung man sich eine gute Rente automatisch sichern kann. Also: Weg mit der rosaroten Brille und stattdessen lieber den Taschenrechner anstellen.-Werbung-



Datum: 27.01.2010 12:30 Uhr

