Fotoquelle: Fotolia

"Sternzeichen als Grundlage für die Kfz-Versicherung"

Thorsten Rudnik, Versicherungsexperte bei der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten, über den Tarifdschungel bei der Kfz-Versicherung, wichtigen Konditionen und skurrilen Rabattideen. Geld$seligkeiten-Interview, Teil 1.

Rabattschlacht ohne Ende: Welche Kriterien sollte ich für eine gute Kfz-Versicherung anlegen?

Rudnik: Alles entscheidendes Kriterium in der Kfz-Haftpflichtversicherung ist die Deckungssumme. Diese sollte mindestens 100 Millionen Euro betragen, was eigentlich auch fast Standard ist in Deutschland. Immer wieder stellt sich auch die Frage, was "europaweit" für die Gültigkeit der Versicherung bedeutet: Ist damit z. B. auch der arabische Teil der Türkei gemeint? Im Zweifel sollte der Verbraucher sich dies unbedingt schriftlich bestätigen lassen.

Apropos Ausland: Wer hier als Autobesitzer einen Mietwagen mietet, sollte auf die sogenannte Mallorca-Police achten. Die besagt, dass der zum Teil spärliche Mindestversicherungsschutz durch die eigene Kfz-Versicherung aufgestockt wird. Hier unterscheiden sich die Angebote der Versicherer voneinander.

Sehr wichtig ist es auch, dass die Versicherungsgesellschaft den Ombudsmann als Schlichtungsstelle akzeptiert.

Das sind vor allem Kriterien für die Pflicht-Haftpflichtversicherung. Was gilt für die freiwillige Kaskoversicherung?

Rudnik: Nicht immer ist der Abschluss der Kasko-Versicherung sinnig, immer aber bei einem Neuwagen. Hier unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter schon deutlicher: Sind zum Beispiel auch die Folgeschäden von Marderbissen – die in Deutschland häufig vorkommen – mitversichert? Oder: Wie lange wird der Neuwagenwert eines Fahrzeuges erstattet? Bei einigen Versicherern sind das nur 6 Monate, gute Anbieter bieten aber sogar 24 Monate an.

Oftmals sind auch Schäden an der Innenausstattung nicht ausreichend gedeckt, meistens liegt die Deckung hier bei 1000 Euro. Wir empfehlen aber mindestens 3000 Euro.

Wichtig ist auch, dass der Versicherer einen "Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit" erklärt. Nach der Gesetzesreform des VVG (Versicherungsvertragsgesetzes) muss er sowieso zumindest immer einen Teil zahlen. Besser ist es aber natürlich, wenn es dazu gar nicht erst Streitigkeiten gibt. Allerdings: Kein Versicherer zahlt bei Alkohol am Steuer oder grob fahrlässigem Diebstahl des Autos.

Welche skurrilen Rabattideen bevölkern den Markt?

Rudnik: Eine Versicherung in Großbritannien nimmt zum Beispiel das Sternzeichen als Grundlage für die Tarifberechnung, das ist schon sehr skurril. In Deutschland gibt es das aber nicht. Das Rabattsystem nimmt aber auch hier ausgeklügelte Varianten an, sehr üblich etwa nach Berufsgruppen, Wenigfahrern oder Garagenparkern.

Und führen die Rabatte tatsächlich zu besseren Konditionen?

Rudnik: Das kann man nicht pauschal sagen. Denn: Anders, als vor einigen Jahren, sind heute nicht immer drei Versicherungen besonders günstig oder drei andere besonders teuer. Die Rabatte machen den Tarifdschungel undurchsichtiger, viel mehr als früher sollte der Verbraucher also intensiv vergleichen.

Davon unabhängig: Der Beitrag darf auch nicht das alleinige Kriterium beim Abschluss der Versicherung sein, spielt gerade bei niedrigen Einstufungen sowieso nicht mehr die große Rolle. Entscheidend ist vielmehr die gute Qualität des Kleingedruckten und die Frage: Handelt der Versicherer im Schadensfall schnell und verbraucherorientiert?

Über Thorsten Rudnik:
Thorsten Rudnik ist seit 1995 beim Bund der Versicherten tätig. Der Bund der Versicherten ist eine Verbraucherschutzorganisation, die ihre Mitglieder unabhängig – also ohne Provisionen von Versicherungsunternehmen zu erhalten – rund um die privaten Finanzen berät und auch eine Rechtsberatung in Streitfällen übernimmt. Rudnik ist ausgebildeter Dipl.-Betriebswirt und zugelassener Versicherungsberater, arbeitete zuvor unter anderem bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

-Werbung-

Artikel bookmarken bei:
Artikel in Frag-Fidel ablegen Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Oneview Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Del.icio.us
Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Simpy Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Spurl Bookmark bei: Google Bookmark bei: Technorati

Datum: 17.11.2009 09:00 Uhr
Autor: Jörg Stroisch
Fotos: Pressefoto (Teaser), Fotolia (Textbild 1)